Maverick Buying bezeichnet Beschaffungen außerhalb definierter Einkaufsprozesse, freigegebener Lieferanten oder bestehender Verträge. Für Unternehmen wird das problematisch, wenn Kosten, Risiken und Verantwortlichkeiten nicht mehr transparent sind. SJL Management & Consulting unterstützt Unternehmen dabei, solche Abweichungen nicht nur zu kontrollieren, sondern ihre Ursachen in Organisation, P2P Prozess, Einkaufsrichtlinie und Zusammenarbeit mit den Fachbereichen zu beheben.
Maverick Buying entsteht selten aus einem einzigen Fehler. Häufig ist es das Ergebnis eines Prozesses, der im Alltag nicht funktioniert. Der Fachbereich braucht schnell eine Dienstleistung, findet den passenden Lieferanten nicht im System und bestellt direkt. Eine Rechnung kommt an, aber es gibt keine vorherige Bestellung. Ein Rahmenvertrag besteht, ist den Bedarfsträgern aber nicht bekannt oder schwer nutzbar.
Dann geht es nicht nur um Regelverstöße. Es geht um die Frage, warum der vorgesehene Beschaffungsweg nicht genutzt wurde.

Was bedeutet Maverick Buying?
Maverick Buying bedeutet, dass Waren oder Dienstleistungen am vorgesehenen Einkaufsprozess vorbei beschafft werden.
Im Deutschen wird der Begriff häufig mit unkontrollierter Beschaffung, wildem Einkauf oder Beschaffung am Einkauf vorbei beschrieben. Gemeint sind zum Beispiel Direktbestellungen bei nicht freigegebenen Lieferanten, Bestellungen ohne erforderliche Freigabe oder der Einkauf außerhalb bestehender Rahmenverträge.
Typische Beispiele sind:
- ein Fachbereich beauftragt einen Dienstleister direkt
- ein Produkt wird bei einem neuen Lieferanten bestellt, obwohl ein Rahmenvertrag besteht
- eine Bestellung wird erst nach Lieferung oder Leistungserbringung angelegt
- eine Rechnung geht ein, ohne dass eine Bestellung im System existiert
- Mitarbeitende nutzen eigene Lieferantenzugänge statt des vorgesehenen Einkaufssystems
Nicht jede Abweichung ist automatisch problematisch. Es kann dringende Sonderfälle geben, etwa bei Produktionsstillstand, Lieferengpässen oder nicht verfügbaren Bezugsquellen. Entscheidend ist, ob solche Ausnahmen genehmigt, dokumentiert und nachvollziehbar sind.
Maverick Buying wird dann kritisch, wenn Abweichungen regelmäßig auftreten und niemand mehr sauber erkennen kann, wer bestellt hat, welche Konditionen gelten, welcher Lieferant genutzt wurde und ob der Vorgang freigegeben war.
Warum Maverick Buying in Unternehmen entsteht
Maverick Buying ist oft kein reines Disziplinproblem.
In vielen Fällen umgehen Mitarbeitende den Einkaufsprozess, weil sie eine operative Aufgabe lösen müssen. Der offizielle Weg ist zu langsam, zu kompliziert oder für den konkreten Bedarf nicht passend. Dann entsteht ein Zielkonflikt: Der Fachbereich möchte handlungsfähig bleiben, während Einkauf und Finance Transparenz, Kontrolle und Compliance sicherstellen müssen.
Aus Einkaufssicht sieht der Vorgang wie eine Regelverletzung aus. Aus Sicht des Fachbereichs war es möglicherweise der einzige Weg, eine dringende Aufgabe rechtzeitig zu erledigen.
Genau an dieser Stelle beginnt die eigentliche Analyse.
Häufige Ursachen sind:
- unklare Zuständigkeiten zwischen Einkauf, Fachbereich und Finance
- zu komplizierte oder zu lange Freigabeprozesse
- fehlende Informationen zu Rahmenverträgen und bevorzugten Lieferanten
- nicht verfügbare Kataloge oder schlecht gepflegte Stammdaten
- geringe Akzeptanz des Einkaufssystems
- unklare Einkaufsrichtlinien
- dezentrale Budgets ohne abgestimmte Einkaufssteuerung
- fehlende Kennzahlen zur Prozessnutzung
- zu wenig Kommunikation zwischen Einkauf und Bedarfsträgern
Eine wirksame Organisation im Einkauf schafft deshalb nicht nur Regeln. Sie klärt Rollen, Entscheidungswege und Schnittstellen so, dass der Einkauf steuernd wirken kann, ohne den operativen Bedarf unnötig auszubremsen.
Welche Formen von Maverick Buying gibt es?
Maverick Buying kann unterschiedlich aussehen. Für die Bearbeitung ist wichtig, die Art der Abweichung genau zu unterscheiden.
| Form | Beispiel | Typische Ursache |
|---|---|---|
| Bestellung bei nicht freigegebenem Lieferanten | Ein Fachbereich beauftragt einen neuen Anbieter ohne Prüfung | Lieferantenauswahl ist unklar oder bestehende Lieferanten sind nicht bekannt |
| Umgehung eines Rahmenvertrags | Ein Produkt wird außerhalb vereinbarter Konditionen bestellt | Vertrag ist schwer auffindbar oder nicht praxistauglich |
| Bestellung ohne Freigabe | Bedarf wird beauftragt, bevor Budget oder Funktion freigegeben wurden | Freigabeprozess dauert zu lange oder ist nicht verständlich |
| Bestellung außerhalb des Systems | Bestellung erfolgt per E-Mail, Telefon oder Anbieterportal | Einkaufssystem ist zu kompliziert oder bildet den Bedarf nicht ab |
| Nachträgliche Bestellung | Ware oder Leistung ist bereits erbracht, Bestellung folgt später | Prozess wird erst bei Rechnungseingang nachgezogen |
| Rechnung ohne Bestellbezug | Finance erhält eine Rechnung ohne passende Bestellung | Vorgang wurde außerhalb des P2P Prozesses ausgelöst |
Diese Unterscheidung verhindert pauschale Bewertungen. Eine einmalige, dokumentierte Ausnahme muss anders behandelt werden als ein wiederkehrendes Muster in einem Fachbereich oder einer Warengruppe.
Warum Maverick Buying für Unternehmen problematisch ist
Maverick Buying erschwert die Steuerung der Beschaffung. Das betrifft nicht nur Preise, sondern auch Prozesse, Verträge, Risiken und Datenqualität.
Einkaufskosten und Prozesskosten steigen
Wenn Bedarfe außerhalb definierter Wege bestellt werden, verliert der Einkauf Bündelungseffekte. Rahmenverträge werden nicht genutzt, Konditionen sind schlechter vergleichbar und ähnliche Bedarfe landen bei unterschiedlichen Lieferanten.
Hinzu kommt interner Aufwand.
Jede nachträgliche Klärung kostet Zeit: Wer hat bestellt? Welche Leistung wurde erbracht? Welcher Preis war vereinbart? Welche Kostenstelle ist betroffen? Darf die Rechnung freigegeben werden?
Eine nachhaltige Kostenoptimierung im Einkauf betrachtet deshalb nicht nur Einkaufspreise. Auch Prozesskosten, Lieferantenstruktur, Bestellwege und Klärfälle gehören zur wirtschaftlichen Bewertung.
Transparenz geht verloren
Ausgaben außerhalb definierter Systeme werden oft erst spät sichtbar. Manchmal erkennt der Einkauf den Vorgang erst, wenn die Rechnung vorliegt.
Dann fehlen wichtige Informationen für:
- Budgetplanung
- Vertragsnutzung
- Warengruppensteuerung
- Lieferantenbewertung
- Einkaufscontrolling
- Risikomanagement
- Verhandlungen
Ohne Transparenz kann der Einkauf kaum aktiv steuern. Er reagiert nur noch auf bereits geschaffene Tatsachen.
Procurement Compliance wird geschwächt
Procurement Compliance bedeutet, dass Beschaffungen innerhalb geltender Regeln, Freigaben und Verantwortlichkeiten erfolgen.
Maverick Buying kann diese Steuerung unterlaufen. Es fehlen Freigaben, Bestellbezüge, Lieferantendokumentationen oder nachvollziehbare Entscheidungen. Dadurch entstehen Lücken, die später schwer zu bewerten sind.
Das Risiko liegt nicht nur in einzelnen Regelverstößen. Problematisch ist vor allem, wenn Abweichungen normal werden.
Lieferantenbasis wird unübersichtlich
Jeder zusätzliche Lieferant erzeugt Aufwand: Anlage, Prüfung, Abstimmung, Rechnungsverarbeitung, Bewertung und laufende Betreuung.
Wenn Fachbereiche eigenständig neue Anbieter nutzen, wächst die Lieferantenbasis oft schleichend. Gleichzeitig sinkt die Transparenz über Leistung, Qualität, Konditionen und Risiken.
Ein professionelles Lieferantenmanagement hilft, Lieferanten gezielt auszuwählen, zu bewerten und zu steuern. Maverick Buying erschwert genau diese Steuerung.
Wie lässt sich Maverick Buying erkennen?
Maverick Buying wird sichtbar, wenn Bestellungen, Rechnungen, Lieferanten, Verträge und Prozessdaten gemeinsam betrachtet werden.
Eine einzelne Kennzahl reicht selten aus. Ein hoher Anteil an Rechnungen ohne Bestellung kann auf fehlende Prozessdisziplin hinweisen. Er kann aber auch zeigen, dass bestimmte Dienstleistungen im bestehenden P2P Prozess nicht sinnvoll abgebildet werden.
Sinnvolle Hinweise sind:
| Hinweis | Was geprüft werden sollte |
|---|---|
| Rechnungen ohne Bestellung | Entstehen sie in bestimmten Fachbereichen, Warengruppen oder Lieferantengruppen? |
| Bestellungen außerhalb von Rahmenverträgen | Sind die Verträge bekannt, verfügbar und passend zum Bedarf? |
| Viele neue Lieferanten | Gibt es fehlende Bezugsquellen oder unklare Freigaben? |
| Geringe Nutzung bevorzugter Lieferanten | Sind Lieferanten und Konditionen für Bedarfsträger leicht auffindbar? |
| Nachträglich angelegte Bestellungen | Wird der Prozess erst zur Rechnungsfreigabe nachgezogen? |
| Viele manuelle Klärfälle | Fehlen Stammdaten, Verantwortlichkeiten oder Leistungsbestätigungen? |
| Geringe Systemnutzung | Ist das Einkaufssystem praxistauglich und akzeptiert? |
Ein wirksames Einkaufscontrolling bewertet solche Daten nicht als reine Kontrolle. Es macht sichtbar, wo Prozesse verbessert, Verantwortlichkeiten geklärt oder Beschaffungswege vereinfacht werden müssen.
Ergänzend helfen passende KPIs im Einkauf, um Vertragsnutzung, Prozesskonformität und Lieferantenstruktur regelmäßig zu prüfen.
Was Unternehmen gegen Maverick Buying tun können
Maverick Buying lässt sich nicht dauerhaft reduzieren, indem man nur strengere Regeln formuliert.
Regeln sind wichtig. Sie wirken aber nur, wenn der regelkonforme Weg im Alltag nutzbar ist. Ein guter Beschaffungsprozess verbindet Kontrolle mit Geschwindigkeit, Klarheit und Akzeptanz.
Einkaufsrichtlinie verständlich formulieren
Eine Einkaufsrichtlinie sollte Mitarbeitenden schnell beantworten, was sie tun müssen.
Sie muss nicht jedes Detail regeln. Wichtiger ist, dass die zentralen Entscheidungen klar sind:
- Wann muss der Einkauf eingebunden werden?
- Welche Lieferanten dürfen genutzt werden?
- Welche Wertgrenzen gelten?
- Wer gibt Bedarfe frei?
- Welche Ausnahmen sind zulässig?
- Wie werden dringende Beschaffungen behandelt?
- Welche Dokumentation ist erforderlich?
Eine Richtlinie, die niemand liest oder versteht, erzeugt keine Steuerung. Sie wird erst wirksam, wenn sie kurz genug, eindeutig genug und für typische Beschaffungsfälle anwendbar ist.
P2P Prozess vereinfachen
Ein funktionierender P2P Prozess verbindet Bedarf, Freigabe, Bestellung, Lieferung, Rechnungsprüfung und Zahlung.
Maverick Buying entsteht häufig an den Übergängen: vom Fachbereich zum Einkauf, von der Bestellung zur Leistungserfassung oder von der Rechnung zur Freigabe.
Deshalb sollte der Prozess unterschiedliche Beschaffungsfälle realistisch abbilden. Standardmaterialien, Dienstleistungen, Ersatzteile und dringende Sonderfälle benötigen nicht immer denselben Ablauf.
Zu viele Freigabestufen erzeugen Wartezeit. Zu wenige Regeln erzeugen Risiko. Die passende Lösung liegt in einer risikoorientierten Steuerung.
Fachbereiche früher einbinden
Der Einkauf kann Maverick Buying nicht allein verhindern.
Fachbereiche kennen den konkreten Bedarf, technische Anforderungen und operative Dringlichkeiten. Werden sie bei Prozessänderungen erst am Ende informiert, entstehen häufig Akzeptanzprobleme.
Besser ist eine frühe gemeinsame Klärung:
Welche Bedarfe treten regelmäßig auf? Welche Lieferanten werden tatsächlich benötigt? Wo dauert der Prozess zu lange? Welche Kataloge fehlen? Welche Ausnahmen sind unvermeidbar?
So wird der Einkauf nicht nur als Kontrollinstanz wahrgenommen, sondern als Partner für sichere und praktikable Beschaffung.
Rahmenverträge besser nutzbar machen
Ein Rahmenvertrag hilft nur, wenn er im Tagesgeschäft gefunden und genutzt werden kann.
Viele Abweichungen entstehen nicht, weil Fachbereiche bewusst teurer einkaufen wollen. Sie wissen schlicht nicht, welcher Vertrag gilt, wer Ansprechpartner ist oder wie die Bestellung ausgelöst wird.
Hilfreich sind:
- zentrale Übersichten freigegebener Lieferanten
- einfache Suchmöglichkeiten
- verständliche Leistungsbeschreibungen
- gepflegte Kataloge
- klare Ansprechpartner
- regelmäßige Kommunikation zu bestehenden Verträgen
- Integration von Rahmenverträgen in Einkaufssysteme
Vertragsnutzung ist keine reine Anweisung. Sie muss im Arbeitsalltag einfach möglich sein.
Digitale Beschaffung benutzerfreundlich gestalten
E-Procurement kann Maverick Buying reduzieren, wenn das System den Nutzern hilft.
Ein gutes System macht Bedarfe auffindbar, Bestellwege transparent und Freigaben nachvollziehbar. Es zeigt Status, Ansprechpartner und verfügbare Lieferanten. Es vermeidet Medienbrüche und reduziert Rückfragen.
Ein schlechtes System erzeugt neue Umgehungswege.
Wenn Mitarbeitende ihren Bedarf nicht finden, zu viele Felder ausfüllen müssen oder keine Rückmeldung zum Status erhalten, bestellen sie schneller außerhalb des Systems.
Digitalisierung ersetzt deshalb keine Prozessarbeit. Sie macht gute Prozesse skalierbar, aber schlechte Prozesse nicht automatisch besser.
Abweichungen differenziert behandeln
Nicht jede Ausnahme braucht Eskalation.
Wichtig ist, Muster zu erkennen. Eine einzelne Notfallbeschaffung ist etwas anderes als ein Fachbereich, der regelmäßig außerhalb bestehender Verträge bestellt.
Unternehmen sollten unterscheiden zwischen:
- genehmigten Sonderfällen
- unbeabsichtigten Fehlern
- Prozesslücken
- fehlender Kenntnis
- ungeeigneten Systemen
- bewusster Umgehung
Nur dann passen die Maßnahmen zur Ursache. Schulung hilft nicht, wenn das System den Bedarf nicht abbildet. Eine strengere Freigabe löst kein Problem, wenn der Rahmenvertrag für den Fachbereich unbrauchbar ist.

Welche Rolle spielt die Einkaufsrichtlinie?
Die Einkaufsrichtlinie ist der verbindliche Rahmen für Beschaffung im Unternehmen.
Sie beschreibt, wie Bedarfe gemeldet, Lieferanten ausgewählt, Freigaben erteilt, Bestellungen ausgelöst und Ausnahmen behandelt werden. Gleichzeitig sollte sie genug Spielraum lassen, um unterschiedliche Beschaffungsfälle sinnvoll zu bearbeiten.
Eine praxistaugliche Einkaufsrichtlinie enthält mindestens:
- Ziel und Geltungsbereich
- Rollen von Einkauf, Fachbereich, Budgetverantwortlichen und Finance
- Freigabegrenzen
- Regeln zur Lieferantenauswahl
- Nutzung von Rahmenverträgen und bevorzugten Lieferanten
- Dokumentationsanforderungen
- Umgang mit Ausnahmen und Eilfällen
- Eskalationswege
- Verantwortlichkeit für Pflege und Aktualisierung
Die Richtlinie sollte regelmäßig überprüft werden. Verändern sich Organisation, Systeme, Lieferantenmärkte oder Warengruppen, müssen auch Regeln und Verantwortlichkeiten angepasst werden.
Warum Verbote allein nicht reichen
Ein Verbot kann kurzfristig Aufmerksamkeit schaffen. Es löst aber selten die Ursache.
Wenn ein Fachbereich regelmäßig außerhalb des Prozesses bestellt, sollte zuerst geklärt werden, warum das passiert.
War der Lieferant nicht auffindbar? War der Vertrag nicht bekannt? War die Freigabe zu langsam? Gab es keinen passenden Katalog? War der Bedarf im System nicht abbildbar? Oder wurde der Prozess tatsächlich bewusst umgangen?
Diese Fragen sind entscheidend.
Maverick Buying wird dauerhaft reduziert, wenn der richtige Weg einfacher wird als der falsche. Dafür braucht es verständliche Regeln, funktionierende Systeme, klare Verantwortlichkeiten und einen Einkauf, der als steuernder Partner akzeptiert wird.
Maverick Buying im Mittelstand reduzieren
Mittelständische Unternehmen brauchen meist keine überdimensionierte Einkaufsarchitektur.
Wirksam sind oft wenige klare Bausteine:
- relevante Ausgaben transparent machen
- wiederkehrende Lieferanten und Warengruppen prüfen
- bevorzugte Lieferanten und Rahmenverträge definieren
- Freigabegrenzen verständlich festlegen
- einfache Bestellwege für Standardbedarfe schaffen
- Ausnahmen klar regeln
- wenige Kennzahlen regelmäßig auswerten
Wichtig ist die passende Balance.
Zu wenig Steuerung führt zu Intransparenz. Zu viel Bürokratie erzeugt Ausweichverhalten. Ein mittelständischer Einkauf sollte handlungsfähig bleiben und gleichzeitig genug Kontrolle über Kosten, Lieferanten und Risiken behalten.
Dabei müssen operativer und strategischer Einkauf sinnvoll zusammenspielen. Der operative Einkauf sorgt für funktionierende Abläufe. Der strategische Einkauf gestaltet Lieferantenstrukturen, Verträge, Warengruppen und langfristige Steuerung.

Ein realistischer Maßnahmenplan gegen Maverick Buying
Der wirksamste Einstieg ist keine neue Regel, sondern ein Blick auf die tatsächliche Beschaffungspraxis.
1. Ist-Situation verstehen
Zuerst sollte klar sein, wie Bedarfe heute entstehen und welche Wege tatsächlich genutzt werden. Dazu gehören Systembestellungen ebenso wie E-Mails, Direktbeauftragungen, Anbieterportale und nachträglich angelegte Bestellungen.
2. Daten auswerten
Bestellungen, Rechnungen, Lieferantenstamm, Vertragsdaten und Freigaben zeigen, wo Abweichungen auftreten. Besonders aufschlussreich sind Rechnungen ohne Bestellung, neue Lieferanten, Bestellungen außerhalb von Rahmenverträgen und wiederkehrende Klärfälle.
3. Ursachen trennen
Nicht jede Abweichung hat denselben Grund. Fehlende Kenntnis, ungeeignete Prozesse, mangelnde Systemakzeptanz und bewusste Umgehung brauchen unterschiedliche Antworten.
4. Regeln vereinfachen
Die Einkaufsrichtlinie sollte klare Wertgrenzen, Rollen und Ausnahmewege enthalten. Sie muss so formuliert sein, dass Fachbereiche im Alltag damit arbeiten können.
5. Beschaffungswege verbessern
Standardbedarfe sollten einfach bestellbar sein. Rahmenverträge, bevorzugte Lieferanten und Kataloge müssen sichtbar und nutzbar werden.
6. Verantwortung klären
Einkauf, Fachbereiche und Finance brauchen ein gemeinsames Verständnis darüber, wer welche Entscheidung trifft. Besonders wichtig sind Übergaben, Ausnahmen und Leistungsbestätigungen.
7. Wirkung messen
Nach der Umsetzung sollten wenige Kennzahlen regelmäßig betrachtet werden: Rechnungen ohne Bestellung, Vertragsnutzung, Systemnutzung, neue Lieferanten und wiederkehrende Klärfälle.
Eine klare Einkaufsstrategie hilft, Prozesse, Lieferanten, Verantwortlichkeiten und Steuerungsziele dauerhaft miteinander zu verbinden.
Wann externe Unterstützung sinnvoll ist
Maverick Buying lässt sich nicht immer durch eine einzelne Maßnahme lösen.
Externe Unterstützung kann sinnvoll sein, wenn unkontrollierte Beschaffung an mehreren Stellen gleichzeitig entsteht: in Prozessen, Organisation, Systemnutzung, Lieferantenstruktur und Einkaufscontrolling.
Das ist häufig der Fall, wenn:
- Einkauf und Fachbereiche unterschiedliche Erwartungen haben
- Rechnungen ohne Bestellung regelmäßig auftreten
- viele Lieferanten ohne klare Steuerung genutzt werden
- bestehende Rahmenverträge nicht greifen
- das Einkaufssystem umgangen wird
- Freigaben zu langsam oder unklar sind
- Daten keine eindeutige Ursachenanalyse ermöglichen
- Procurement Compliance gestärkt werden soll
SJL Management & Consulting betrachtet Maverick Buying nicht isoliert als Regelverstoß. Entscheidend ist, welche Ursachen dahinterliegen und wie der Beschaffungsprozess so gestaltet werden kann, dass regelkonformes Einkaufen im Alltag funktioniert.
Fazit: Maverick Buying vermeiden heißt Prozesse nutzbar machen
Maverick Buying entsteht häufig dort, wo Regeln, Prozesse und operative Realität nicht zusammenpassen.
Unternehmen reduzieren unkontrollierte Beschaffung nicht allein durch strengere Vorgaben. Sie brauchen klare Einkaufsrichtlinien, praktikable P2P Prozesse, transparente Lieferantenstrukturen, passende Kennzahlen und eine gute Zusammenarbeit mit den Fachbereichen.
Der entscheidende Punkt ist einfach:
Der vorgesehene Beschaffungsweg muss für die Organisation funktionieren.
Wenn Mitarbeitende schnell erkennen, welchen Lieferanten sie nutzen dürfen, welche Freigabe nötig ist und wie sie ihren Bedarf unkompliziert bestellen können, sinkt der Anreiz zur Umgehung. Gleichzeitig gewinnt der Einkauf die Transparenz zurück, die er für Kostensteuerung, Lieferantenmanagement und Procurement Compliance benötigt.
Maverick Buying analysieren und Einkaufsprozesse verbessern
Sie möchten unkontrollierte Beschaffung reduzieren, Einkaufsprozesse vereinfachen oder Procurement Compliance im Unternehmen stärken?
SJL Management & Consulting unterstützt Sie dabei, Ursachen sichtbar zu machen, Verantwortlichkeiten zu klären und praxistaugliche Maßnahmen für Einkauf, Fachbereiche und Finance umzusetzen.
Gerade in Einkauf, Procurement und Supply Chain zeigt sich häufig, dass unkontrollierte Beschaffung nicht an einer einzelnen Stelle entsteht. Oft beginnt sie bereits beim Bedarf, in der Freigabe, bei der Lieferantenauswahl oder im P2P-Prozess und wird erst bei der Rechnungsprüfung sichtbar.
FAQ zu Maverick Buying
Was bedeutet Maverick Buying?
Maverick Buying bedeutet, dass Waren oder Dienstleistungen außerhalb definierter Einkaufsprozesse, Freigaben, Verträge oder freigegebener Lieferanten beschafft werden. Dazu gehören Direktbestellungen am Einkauf vorbei, nicht genehmigte Lieferanten oder Rechnungen ohne vorherige Bestellung.
Was heißt Maverick Buying auf Deutsch?
Auf Deutsch wird Maverick Buying häufig als unkontrollierte Beschaffung, wilder Einkauf oder Beschaffung am Einkauf vorbei bezeichnet. Gemeint ist nicht jede Ausnahme, sondern vor allem eine nicht geregelte oder wiederkehrende Umgehung der vorgesehenen Einkaufswege.
Warum entsteht Maverick Buying?
Maverick Buying entsteht häufig durch unklare Regeln, komplizierte Bestellprozesse, lange Freigabezeiten, fehlende Informationen zu Rahmenverträgen oder geringe Systemakzeptanz. In manchen Fällen werden Vorgaben bewusst umgangen. Häufig liegt die Ursache aber im Prozess selbst.
Wie kann man Maverick Buying vermeiden?
Unternehmen sollten Einkaufsrichtlinien verständlich gestalten, P2P Prozesse vereinfachen, Rahmenverträge besser nutzbar machen, Fachbereiche einbinden und relevante Kennzahlen regelmäßig auswerten. Der regelkonforme Beschaffungsweg muss im Alltag praktikabel sein.
Welche Kennzahlen helfen bei Maverick Buying?
Hilfreich sind unter anderem Rechnungen ohne Bestellung, Bestellungen außerhalb von Rahmenverträgen, Anzahl neuer Lieferanten, Systemnutzung, Vertragsnutzungsquote und wiederkehrende Klärfälle. Wichtig ist, diese Kennzahlen nach Fachbereich, Warengruppe und Ursache auszuwerten.
Welche Rolle spielt Procurement Compliance?
Procurement Compliance sorgt dafür, dass Beschaffungen nachvollziehbar, genehmigt und regelkonform erfolgen. Sie reduziert Risiken, verbessert Transparenz und stärkt die Steuerbarkeit des Einkaufs. Damit sie wirkt, müssen die Regeln verständlich und die Prozesse praktikabel sein.
Aktuelle Impulse auf LinkedIn
Wer sich regelmäßig mit Themen rund um Einkauf, Supply Chain, Interim Management und Kostenoptimierung beschäftigt, findet auf LinkedIn weitere Impulse, Einschätzungen und Praxisbeispiele von SJL Management & Consulting.