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Einkaufscontrolling: Wie Kennzahlen im Einkauf wirklich steuern

Einkaufscontrolling entfaltet seinen Wert nicht durch möglichst viele Kennzahlen, sondern durch Entscheidungsrelevanz. Der Artikel zeigt, wann Kennzahlen im Einkauf tatsächlich steuern, wie ein fokussiertes Kennzahlen-Cockpit Führung unterstützt und warum messbare Ziele die Voraussetzung für wirksames Controlling sind.
Einkaufscontrolling
Stefan J. Leirich,
21. Januar 2026

Wann helfen Kennzahlen im Einkauf wirklich bei Entscheidungen und wann werden sie zur reinen Beschäftigung?

Einkaufscontrolling unterstützt Managemententscheidungen im Einkauf, indem es relevante Kennzahlen gezielt zur Steuerung von Prioritäten, Risiken und Zielabweichungen einsetzt. Es unterscheidet sich von reinem KPI-Reporting durch seinen Fokus auf Entscheidungsreife statt Datentiefe.

In vielen Unternehmen existiert Einkaufscontrolling, aber es steuert nicht. Kennzahlen werden erhoben, Reports verteilt, Dashboards gepflegt. Trotzdem bleibt der Eindruck, dass sich Entscheidungen kaum verändern. Prioritäten entstehen weiterhin aus dem Tagesgeschäft oder aus Einzelmeinungen, nicht aus belastbaren Steuerungsimpulsen.

Genau an dieser Stelle lohnt sich ein Perspektivwechsel. Einkaufscontrolling entfaltet seinen Wert nicht durch Vollständigkeit, sondern durch Relevanz. Nicht durch viele Zahlen, sondern durch wenige, gut gewählte Entscheidungsanker.

Warum Einkaufscontrolling oft nicht steuert

In der Praxis zeigt sich ein wiederkehrendes Muster. Unternehmen investieren viel Zeit in die Erhebung von Einkaufscontrolling-Kennzahlen, ohne vorab zu klären, wofür diese eigentlich genutzt werden sollen. Die Folge sind umfangreiche Kennzahlensets, die zwar Transparenz suggerieren, aber keine Richtung vorgeben.

Typische Symptome sind:

  • Kennzahlen werden regelmäßig berichtet, aber selten diskutiert
  • Abweichungen bleiben folgenlos
  • Management fragt nach Einzelfällen statt nach Entwicklungen
  • Entscheidungen werden unabhängig vom Reporting getroffen

Das Problem liegt nicht in den Kennzahlen selbst, sondern in der fehlenden Steuerungslogik dahinter.

Wann Kennzahlen im Einkaufscontrolling sinnvoll sind

Kennzahlen entfalten ihre Wirkung immer dann, wenn eine echte Entscheidungsfrage dahintersteht. Einkaufscontrolling ist kein Selbstzweck, sondern ein Instrument zur Unterstützung von Abwägungen.

Typische Situationen, in denen Kennzahlen im Einkaufscontrolling echten Mehrwert liefern, sind:

  • Priorisierung von Warengruppen oder Initiativen
  • Bewertung von Risiken und Abhängigkeiten
  • Abwägung zwischen Kosten, Versorgungssicherheit und Flexibilität
  • Steuerung von Lieferantenbeziehungen auf Managementebene

In all diesen Fällen geht es nicht um exakte Zahlenwerte, sondern um Vergleichbarkeit, Trends und Entscheidungsreife.

Kennzahlen Einkaufscontrolling: Weniger messen, mehr entscheiden

Ein häufiger Fehler besteht darin, möglichst viele Aspekte messbar machen zu wollen. Dadurch verliert Einkaufscontrolling an Klarheit. Entscheidend ist nicht die Menge der Kennzahlen, sondern ihre Funktion.

Jede Kennzahl sollte eine klare Frage beantworten, zum Beispiel:

  • Wo weichen wir vom geplanten Kurs ab?
  • Wo entsteht Handlungsbedarf?
  • Wo müssen Prioritäten angepasst werden?

Kennzahlen, die keine Entscheidung vorbereiten, gehören nicht ins aktive Einkaufscontrolling.

Messbare Ziele im Einkauf als Voraussetzung

Ohne klare Zielbilder bleibt jede Kennzahl interpretationsbedürftig. Messbare Ziele im Einkauf sind daher keine Ergänzung, sondern die Voraussetzung für wirksames Controlling.

Dabei geht es weniger um ambitionierte Zielhöhen als um Klarheit. Ein Ziel muss so formuliert sein, dass erkennbar ist:

  • worauf gesteuert wird
  • in welchem Zeitraum
  • mit welcher Priorität

Erst dann lassen sich Kennzahlen sinnvoll einordnen. Ohne diese Klarheit wird Einkaufscontrolling schnell zur rückblickenden Statistik.

Kennzahlen Cockpit Einkauf: Steuerung braucht Fokus

Ein Kennzahlen-Cockpit im Einkauf dient der Führungssteuerung, nicht der vollständigen Datendarstellung. Entscheidend ist die Auswahl weniger Kennzahlen, die konkrete Entscheidungen vorbereiten.

Ein wirksames Cockpit zeichnet sich durch drei Merkmale aus:

  • Konzentration auf wenige, entscheidungsrelevante Kennzahlen
  • Klare Visualisierung von Abweichungen und Trends
  • Trennung zwischen Managementsicht und Detailanalysen

Das Cockpit beantwortet die zentrale Frage: Wo muss ich eingreifen oder entscheiden? Alles Weitere gehört bewusst in die zweite Ebene.

Ein wirksames Kennzahlen-Cockpit zeigt nicht jede Abweichung, sondern nur jene, die eine Entscheidung erfordern. Steigt beispielsweise der Anteil kritischer Single-Source-Lieferanten in einer zentralen Warengruppe, wird dies im Cockpit sichtbar – unabhängig davon, ob sich die Kosten kurzfristig verbessert haben. Das Management kann so frühzeitig zwischen Kostenoptimierung und Versorgungssicherheit abwägen.

Abwägung statt Kennzahlen-Optimierung

Einkaufscontrolling dient nicht dazu, einzelne Kennzahlen zu optimieren. Es unterstützt Abwägungen. Genau hier liegt der Unterschied zu reinen KPI-Artikeln oder Benchmark-Ansätzen.

Typische Abwägungen im Einkauf sind:

  • Kostenreduktion versus Versorgungssicherheit
  • Lieferantenbündelung versus Abhängigkeit
  • Standardisierung versus Flexibilität

Kennzahlen helfen, diese Spannungsfelder sichtbar zu machen. Die Entscheidung selbst bleibt eine Managementaufgabe.

Wann Einkaufscontrolling bewusst zurücktritt

Nicht jede Entscheidung braucht eine Kennzahl. Gerade in Ausnahmesituationen, bei Innovationsprojekten oder bei akuten Versorgungsrisiken stößt Einkaufscontrolling an Grenzen.

Ein reifes Controlling erkennt diese Situationen und tritt bewusst zurück. Es liefert Kontext, nicht vermeintliche Gewissheit. Auch das ist Teil guter Steuerung.

Einkaufscontrolling als Führungsdialog

Seine größte Wirkung entfaltet Einkaufscontrolling dort, wo es als Grundlage für Dialoge genutzt wird. Zwischen Einkauf, Management und angrenzenden Funktionen.

Kennzahlen werden dann nicht berichtet, sondern diskutiert. Sie dienen als gemeinsame Sprache für Entscheidungen, nicht als Rechtfertigung im Nachhinein.

Solche Entscheidungen betreffen auch die Frage, ob Interim oder fest angestellte Führung im Einkauf erforderlich ist.

Fazit: Einkaufscontrolling entscheidet nicht, aber es befähigt

Einkaufscontrolling ist kein Zahlenwerk und kein Kontrollinstrument. Es ist ein Mittel zur besseren Entscheidungsvorbereitung. Sein Wert liegt nicht in der Messung, sondern in der Steuerung.

Wer Einkaufscontrolling konsequent auf Entscheidungsfragen ausrichtet, braucht weniger Kennzahlen, aber klarere. Ein fokussiertes Kennzahlen-Cockpit, messbare Ziele im Einkauf und eine bewusste Abwägung machen den Unterschied zwischen Reporting und echter Steuerung.

Wenn Kennzahlen im Einkauf vorhanden sind, aber Entscheidungen nicht klarer werden, lohnt sich eine gezielte Überprüfung der Steuerungslogik.

FAQ: Einkaufscontrolling und Steuerung

Was unterscheidet Einkaufscontrolling von reinem KPI-Reporting?
Einkaufscontrolling zielt auf Entscheidungen ab, nicht auf vollständige Berichterstattung.

Wie viele Kennzahlen sind im Einkaufscontrolling sinnvoll?
So wenige wie möglich, so viele wie nötig. Entscheidend ist der Bezug zu konkreten Entscheidungen.

Was ist ein Kennzahlen Cockpit Einkauf?
Ein fokussiertes Management-Dashboard mit wenigen steuerungsrelevanten Kennzahlen.

Warum sind messbare Ziele im Einkauf wichtig?
Ohne klare Ziele verlieren Kennzahlen ihre Aussagekraft und Steuerungswirkung.

Wann stößt Einkaufscontrolling an Grenzen?
Bei einmaligen Ausnahmesituationen oder stark innovationsgetriebenen Entscheidungen, bei denen Erfahrungswissen überwiegt.